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Haarausfall: Ursachen & Lösungen einfach erklärt

Mann betrachtet besorgt seinen Haaransatz im Badezimmerspiegel.

© gpointstudio AdobeStock 242822355

Wenn Haare dünner werden, belastet das oft weit über das Aussehen hinaus. Denn die Suche nach der Ursache braucht viel Geduld. Haarausfall kann Betroffene verunsichern und den Leidensdruck erhöhen, gerade dann, wenn er besonders stark ausfällt. Oft ist ein fundierter Blick nötig, um Zusammenhänge zu verstehen und die geeignete Lösung zu finden.

Was ist Haarausfall?

Haare wachsen in stabilen Zyklen. Ein Teil wächst, ein Teil ruht. Täglich fallen dabei mehrere Haare aus. Bis zu 100 Haare gelten als normal. Steigt die Menge über Wochen aber erheblich an oder wird das Haar sichtbar lichter, liegt ein behandlungsbedürftiger Haarausfall vor.

Dermatologen sprechen konkret von einem Effluvium. Dabei sind die Haarwurzeln aus dem Gleichgewicht geraten und wechseln vorzeitig von der Wachstumsphase in die Ruhephase. Das Haar fällt aus, obwohl die Haarwurzel eigentlich noch intakt ist, denn seltener ist sie bereits geschädigt.

Die häufigsten Formen von Haarausfall

Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)

Der androgenetische Haarausfall hat eine erbliche Ursache und ist die am weitesten verbreitete Form. Die Haarfollikel reagieren hier empfindlich auf ein Abbauprodukt des Hormons Testosteron (Androgene). Das führt dazu, dass die Wachstumsphase verkürzt wird und eine Miniaturisierung der Follikel erfolgt, die schrittweise schrumpfen. Die Haare werden immer lichter und fallen früher aus.

Bei Männern zeigen sich oft Geheimratsecken und eine lichte Tonsur. Bei Frauen dünnt das Haar vor allem am Scheitel aus. Der Prozess verläuft langsam, frühzeitiges Handeln kann ihn aber abbremsen.

Diffuser Haarausfall (Diffuse Alopezie)

Bei der diffusen Alopezie lichtet sich das Haar gleichmäßig über den ganzen Kopf. Besonders häufig sind Frauen betroffen. Der Grund liegt seltener in den Genen. Meist ist der Körperhaushalt direkt betroffen. Nährstoffmängel, hormonelle Veränderungen, Medikamente oder anhaltender Stress können dabei als Auslöser gelten. Wird die Ursache behoben, erholt sich das Haar häufig auch wieder.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Bei plötzlich entstehenden runden, kahlen Stellen wie beim kreisrunden Haarausfall liegt die Ursache meist in einer fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems. Es greift die Haarwurzeln vorübergehend an. Die Haut selbst bleibt dabei aber glatt und unverletzt und die Haarfollikel in der Regel erhalten. Viele Betroffene haben ein Wiederwachstum, aber Geduld und fachliche Begleitung sind dennoch wichtig.

Vitamine, die bei Haarausfall fehlen können

Für gesundes Haar braucht der Körper Bausteine. Fehlen sie, spart der Organismus zuerst an den Haaren und Nägeln.

Am häufigsten zeigen sich Defizite bei Vitamin D, Biotin und Vitamin B12. Auch Eisenmangel spielt eine zentrale Rolle, vor allem bei Frauen mit starkem Blutverlust oder einseitiger Ernährung. Ein Nährstoffmangel bleibt oft lange unbemerkt, kann aber mittels Bluttest nachgewiesen werden.

Haare brauchen Zeit. Erst wenn der Körper lebenswichtige Organe mit den fehlenden Mikronährstoffen versorgt hat, sind sie dran. Wird der allgemeine Mangel ausgeglichen, verbessert sich auch die Haarqualität schrittweise. Sichtbare Veränderungen zeigen sich in der Regel erst nach mehreren Monaten.

Lösungen: Was stoppt Haarausfall?

1. Ursache klären

Wirksam ist, was die Ursache trifft. Haarausfall lässt sich oft bremsen. Der Schlüssel liegt aber in der Ursache. Ist diese gefunden, kann eine gezielte Behandlung erfolgreicher eingesetzt werden. Haarausfall ist ein Symptom und die Haarwurzel zeigt, was im Körper gerade fehlt oder aus dem Takt ist.

Viele Auslöser schieben viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase. Der sichtbare Ausfall kommt dann oft erst nach Wochen bis Monaten. Eine klare Abklärung erspart viele Fehlversuche.

Sinnvoll sind je nach Situation:

  • Blutbild mit Ferritin als Eisenspeicherwert
  • Vitamin D, Vitamin B12, teils Zink
  • TSH und bei Bedarf weitere Schilddrüsenwerte
  • bei Frauen je nach Muster und Begleitsymptomen auch Androgenprofil
  • Blick auf Medikamente, Diäten, Infekte, Operationen, Geburten
  • Stressregulierung bei stressbedingten Haarausfall

2. Kopfhaut gezielt pflegen

Pflege stoppt keine genetische Alopezie. Sie kann aber irritierte Kopfhaut beruhigen und Haarbruch senken.

Grundprinzipien:

  • milde Reinigungsprodukte
  • zurückhaltende Hitze
  • sanftes Trocknen
  • Frisuren ohne dauerhaften Zug

Haarverlust und Haarbruch können ähnlich aussehen. Weniger Bruch heißt optisch mehr Fülle. Außerdem bleibt die Kopfhautbarriere stabil.

3. Medikamente anwenden

Gerade bei dem erblich bedingten, androgenetischen Haarausfall (Alopecia androgenetica) reagieren die Haarfollikel empfindlich auf männliche Hormone (Androgene). Die Follikel werden kleiner. Die Haare werden feiner. Ohne Behandlung schreitet das oft weiter voran.
Medikamente, die hierbei eingesetzt werden sind:

  • Minoxidil wird topisch als Lösung angewendet und fördert den Haarwuchs, vor allem bei frühem Beginn. Wie es genau wirkt, ist noch nicht abschließend geklärt, vermutlich durch eine verbesserte Durchblutung der Kopfhaut.
  • Finasterid (oral, vor allem bei Männern) senkt die DHT-Bildung und schließlich auch den Druck auf die empfindlichen Haarwurzeln. Da Nebenwirkungen vorkommen können, ist ärztliche Begleitung nötig.
  • Antiandrogene Therapien (bei Frauen) sind ärztlich verordnete Antiandrogene, die die Wirkung männlicher Hormone an der Haarwurzel dämpfen sollen.

4. Stressbedingten Haarausfall beruhigen

Stresshormone beeinflussen Entzündungsbotenstoffe und den Haarzyklus und ebnet den Weg für ein telogenes Effluvium. Hierbei beginnt der Ausfall der Haare oft verspätet, was den Zusammenhang verschleiern kann.

Was gegen stressbedingten Haarausfall hilft:

  • regelmäßiger Schlaf und feste Erholungszeitfenster
  • moderate Bewegung für bessere Stressregulation
  • Entspannungstechniken, die im Alltag bleiben
  • ausreichende Energiezufuhr, da Stress mit weniger Essen einhergehen kann

Das Ziel ist die Stabilität im Hormon- und Entzündungshaushalt, damit weniger Haare gleichzeitig in die Ruhephase wechseln.

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