zum Inhalt springen

Frühjahrsmüdigkeit loswerden: Fit und munter durch den Frühling

Mann reibt sich erschöpft die Augen am Tisch sitzend.

© Miljan Zivkovic AdobeStock 674097044

Nach einem grauen Winter können viele den Frühling kaum erwarten. Sonne, mildere Temperaturen und Tage, die länger werden, sind eine herbeigesehnte Abwechslung. Doch ist der Frühling endlich da, fühlt sich mancher schwer und müde. Bekannt ist dieses körperliche Phänomen als Frühjahrsmüdigkeit. Vorab sei gesagt, dass sie keine Krankheit ist.

Was ist Frühjahrsmüdigkeit?

Frühjahrsmüdigkeit ist eine natürliche Anpassungsreaktion des Körpers an veränderte Lichtverhältnisse, Temperaturen und Lebensgewohnheiten. Während wir uns im Winter im Energiesparmodus befinden und wenig Tageslicht und kalte Temperaturen aushalten müssen, ändert sich das im Frühling. Diese Umstellung ist völlig normal, kann sich für Körper und Psyche aber abrupt anfühlen. Sie kostet kurzfristig Energie und fordert den Organismus heraus.

Frühjahrsmüdigkeit ist ein Zeichen dafür, dass sich Stoffwechsel, Kreislauf und Hormonsystem neu einpendeln. Nicht alle Menschen sind gleich stark betroffen. Zeigen sich Beschwerden, stellen sie für sich genommen aber keine Krankheit mit medizinischer Diagnose dar.

Anzeichen von Frühjahrsmüdigkeit

Die Anzeichen der Frühjahrsmüdigkeit betreffen Körper und Psyche gleichermaßen. Sobald die Tage deutlich länger werden und die Temperaturen steigen, startet die Umstellung im Körper. Besonders nach den ersten warmen Tagen berichten viele Menschen über Müdigkeit und Kreislaufprobleme.

Häufig genannte Symptome sind:

  • anhaltende Müdigkeit trotz Schlaf
  • verminderter Antrieb
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Kopfschmerzen
  • Kreislaufprobleme
  • Schwindel
  • erhöhte Reizbarkeit

Oft treten die Beschwerden kombiniert auf und ihre Intensität variiert von Person zu Person.

Die wichtigsten Ursachen einfach erklärt

Hormonhaushalt

Zwei Hormone spielen bei der Frühjahrsmüdigkeit eine Schlüsselrolle: Melatonin und Serotonin. Im Winter dominiert das Schlafhormon Melatonin, was erklärt, warum viele Menschen dann ein höheres Schlafbedürfnis haben.

Im Frühling steigt hingegen das stimmungsaufhellende Serotonin. Die Bildung von Serotin ist lichtabhängig. Es wirkt gegensätzlich zum Melatonin und unterstützt Wachheit und Antrieb.

Im Übergang muss sich das Gleichgewicht zwischen Serotonin und Melatonin erst einmal neu einspielen. Der Melatoninspiegel kann dabei langsamer sinken, während Serotonin bereits ansteigt. Gewissermaßen pendeln wir so zwischen Ruhe- und Aktivitätsmodus. Das kann müde machen und auch die Psyche kann sensibel reagieren. Innere Unruhe und Gereiztheit ist dabei möglich.

Schlafrhythmus

Auch Tageslicht spielt eine Rolle. Es wirkt direkt auf die innere Uhr. Im Frühling bleibt es abends länger hell. Viele Menschen gehen später schlafen, ohne morgens länger zu ruhen. Diese verkürzte Schlafdauer kann die Leistungsfähigkeit spürbar senken. Den neuen Rhythmus muss der Körper dabei erstmal verarbeiten.
Kreislauf

Mit steigenden Temperaturen weiten sich die Blutgefäße, weil sie überschüssige Wärme abgeben müssen. Das kann den Blutdruck absinken lassen und besonders Menschen mit ohnehin niedrigem Blutdruck betreffen. Aber der Körper lernt mit. Nach einigen Wochen stabilisiert sich der Kreislauf oft wieder.

Was hilft schnell gegen das Energietief?

Tageslicht als natürlicher Muntermacher

Tageslicht ist der stärkste Impulsgeber für die innere Uhr. Ein Aufenthalt im Freien am Morgen hilft, die Melatoninproduktion zu drosseln und die Serotoninbildung zu fördern. Schon 20 bis 30 Minuten Tageslicht unterstützen den Hormonhaushalt messbar. Auch bei bewölktem Himmel ist der Effekt vorhanden.

Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung

Bewegung aktiviert Muskeln, Gefäße und Stoffwechsel. Der Kreislauf bekommt Gelegenheit, sich zu stabilisieren. Gleichzeitig fördert Bewegung die Ausschüttung körpereigener Botenstoffe, die das Wohlbefinden steigern. Besonders effektiv ist dabei der Aufenthalt im Freien in Form von Spaziergängen, Radfahren oder leichtem Training, da hierbei Licht und Aktivität kombiniert werden.

Wechselduschen trainiert die Gefäße

Wechselduschen ist ideal, um die Blutgefäße zu trainieren und Blutdruck und Kreislauf in Schwung zu bringen. Der Wechsel zwischen warmem und kaltem Wasser unterstützt die Gefäße dabei, sich schneller zusammenzuziehen und zu erweitern. Oft dauert es nicht lang und der Körper fühlt sich wacher und vitaler an.

Tipp: "Schottische Dusche" ausprobieren

  • warm starten, etwa 1 Minute
  • kalt nachlegen, 10 – 20 Sekunden
  • zwei bis drei Runden wiederholen
  • immer mit kalt abschließen
  • danach gut abtrocknen und warm anziehen

Frische Ernährung unterstützt den Stoffwechsel

Die Ernährung im Winter ist oft begleitet von deftigen Speisen, die zwar Energie liefern, aber den Stoffwechsel belasten. Die Folge ist ein Gefühl von Trägheit.

Leichte Kost entlastet den Körper und liefert Mikronährstoffe, die wichtig für den Energiestoffwechsel, die Nervenfunktion und die Sauerstoffversorgung der Zellen sind:

  • frisches Gemüse
  • Obst
  • Vollkornprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • hochwertige Pflanzenöle wie Leinöl und Olivenöl

Wie lange dauert Frühjahrsmüdigkeit an?

In den meisten Fällen ist alles nach zwei bis vier Wochen wieder im Lot und der Körper hat sich an die neuen Bedingungen angepasst.

Halten die Beschwerden länger an oder sind sie besonders stark, ist eine medizinische Abklärung ratsam. Extreme Frühjahrsmüdigkeit, die mit einer sehr ausgeprägten Erschöpfung einhergeht und den Alltag deutlich beeinträchtigt, kann nämlich auch andere Ursachen haben. Nicht immer ist eine saisonale Umstellung der Grund. Auch Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen und andere Krankheiten können antriebslos und müde machen.

Wichtig ist auch die Abgrenzung zur Depression: Frühjahrsmüdigkeit ist zeitlich auf die Jahreszeit begrenzt. Eine Depression ist stets komplexer und zeigt sich durch anhaltende Niedergeschlagenheit, fehlende Freude und deutlichen Rückzug. Der Hausarzt ist bei Unsicherheit die erste Anlaufstelle und klärt ab, ob weitere (therapeutische) Unterstützung sinnvoll ist.

nach oben